Wer etwas über Hörgeräte, Hörtests oder Tinnitus erfahren möchte, trifft oft auf Fachbegriffe, die einer Erklärung bedürfen. Wir möchten dieses Wissen zugänglich machen. Unser Lexikon richtet sich an Menschen mit nachlassendem Gehör, an Angehörige und alle, die sich für Hörakustik interessieren. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe rund um Schwerhörigkeit, Hörminderung und Ohrgeräusche. Die Sprache bleibt dabei klar und verständlich. So verschaffen Sie sich einen Überblick, bevor Sie eine Beratung in Anspruch nehmen.
Audiometrie und Hörtest – wie der Hörakustiker Ihre Hörfähigkeit misst
Die Audiometrie umfasst verschiedene Messverfahren, mit denen ein Hörgeräteakustiker die Hörschwelle, das Sprachverstehen und die Tonschwelle ermittelt, um eine Hörminderung exakt zu erfassen und den Grad des Hörverlusts zu dokumentieren. Ein standardisierter Hörtest liefert die Basisdaten. Daraus ergibt sich, ob eine Versorgung sinnvoll ist. Wir messen Töne in verschiedenen Frequenzen. Wir prüfen, wie gut Sie Sprache bei unterschiedlicher Lautstärke verstehen. Das Ergebnis ist ein Audiogramm. Es zeigt, in welchen Bereichen Ihr Gehör nachlässt.
Reine Tonhörschwellenmessung gehört zum Standard. Wir spielen über Kopfhörer tiefe und hohe Töne ein. Sie geben an, ab welcher Lautstärke Sie den Ton wahrnehmen. Das Verfahren dauert etwa zehn Minuten. Es ist völlig schmerzfrei.
Indem Sie Wörter und Zahlen in unterschiedlichen Lautstärken hören, ergänzt die Sprachaudiometrie die Tonaudiometrie. Diese Methode zeigt, wie gut Sie im Alltag verstehen, besonders bei einer Hochtonschwerhörigkeit.
Hörgeräte und Hörsysteme – Aufbau, Technik und Funktionsweise
Ein Hörgerät besteht aus Mikrofon, Verstärker, Lautsprecher und Batterie, während moderne Hörsysteme zusätzlich digitale Signalverarbeitung, verschiedene Programme und Konnektivität für das Smartphone bieten. Analoggeräte gibt es kaum noch, da heute fast alle Hörgeräte digital arbeiten. Ein Chip verarbeitet die Schallsignale in Millisekunden. Das Gerät filtert Störgeräusche heraus und verstärkt nur die Frequenzen, die Sie schlechter hören.
Hinter-dem-Ohr-Geräte, kurz HdO, sind sehr flexibel. Sie eignen sich für leichte bis hochgradige Schwerhörigkeit. Der Lautsprecher sitzt in einem winzigen Ohrpassstück. Ein dünner Schlauch verbindet es mit dem Hauptgerät hinter der Ohrmuschel.
Wir passen Im-Ohr-Geräte, kurz IdO genannt, direkt in Ihren Gehörgang ein, sodass sie winzig und fast unsichtbar sind. Diese Bauform eignet sich für leichte bis mittlere Hörminderung, wobei die Bedientasten gut erreichbar bleiben.
Schwerhörigkeit – Formen und Ursachen eines Hörverlusts
Schwerhörigkeit lässt sich nach der Ursache, der Dauer und dem betroffenen Frequenzbereich unterscheiden. Der Hörakustiker differenziert dabei zwischen einer Schallleitungsschwerhörigkeit sowie einer Innenohrschwerhörigkeit. Zudem gibt es einen hochfrequenten Hörverlust. Eine altersbedingte Hörminderung beginnt meist bei den hohen Frequenzen, sodass Konsonanten wie S, F oder T verschwimmen. Frauenstimmen, die höher liegen, versteht man oft schlechter, während tiefe Männerstimmen länger verständlich bleiben.
| Form der Schwerhörigkeit | Ursache | Häufige Anzeichen |
|---|---|---|
| Schallleitungsschwerhörigkeit | Problem im äußeren Ohr oder Mittelohr | Alle Töne gleichmäßig leiser |
| Innenohrschwerhörigkeit | Schädigung der Haarzellen im Innenohr | Hochtonverlust, schlechtes Sprachverstehen |
| Kombinierte Schwerhörigkeit | Störung im Mittel- und Innenohr | Verschiedene Frequenzbereiche betroffen |
Tinnitus – Ursachen für Ohrensausen und Ohrgeräusche
Tinnitus beschreibt das Wahrnehmen von Ohrgeräuschen ohne äußere Schallquelle, die als Ohrensausen, Pfeifen, Rauschen oder Brummen auftreten können. Die Ursachen reichen von Innenohrschäden über Stress bis hin zu Hörverlust. Diese Geräusche entstehen oft im Innenohr, wo die feinen Haarzellen übererregt sind und Signale an das Gehirn senden, obwohl kein Ton von außen kommt. Ein akuter Tinnitus entsteht manchmal nach einem Knalltrauma, während chronische Ohrgeräusche länger als drei Monate anhalten.
Die Retraining-Therapie hilft vielen Betroffenen. Sie verbindet Hörtraining mit psychologischer Begleitung. Das Ziel: Das Gehirn lernt, das Ohrensausen auszublenden. Die Geräusche treten in den Hintergrund.
Ein Hörgerät kann Tinnitus lindern, weil es das geschädigte Gehör mit den fehlenden Reizen versorgt. Bei Hochtonschwerhörigkeit füllt das Gerät die leeren Frequenzbereiche. Das Gehirn muss nicht mehr kompensieren.
Gehör – Aufbau und Funktion des menschlichen Ohres
Das Gehör verarbeitet Schallwellen über das äußere Ohr, das Trommelfell, die Gehörknöchelchen im Mittelohr und die Haarzellen im Innenohr, bevor das Signal über den Hörnerv im Gehirn bewusst wird. Der äußere Gehörgang fängt den Schall ein und leitet ihn zum Trommelfell weiter, wo die Membran schwingt.
Im Mittelohr verstärken drei winzige Knöchelchen die Schwingungen. Sie heißen Hammer, Amboss und Steigbügel. Dieser Mechanismus ist winzig. Er überträgt den Schall auf das Innenohr.
Die Schnecke im Innenohr enthält zehntausende Haarzellen. Sie setzen die Schwingungen in elektrische Signale um. Der Hörnerv leitet diese Signale weiter. Das Gehirn macht daraus Klang.
Anpassung – wie der Hörakustiker Hörgeräte einstellt
Die Anpassung umfasst die Auswertung des Audiogramms, die Auswahl der Bauform sowie die softwaregestützte Einstellung der Verstärkung und die Feinjustierung im Alltagstragetest über mehrere Wochen. Wir setzen die ersten Werte nach dem Hörtest, und Sie tragen das Gerät einige Tage, um Erfahrungen in Ihrer gewohnten Umgebung zu sammeln.
Bei der Erstanpassung legen wir die Grundlautstärke fest und bestimmen, wie stark das Gerät auf leise Töne reagiert. Auch die Sprachsteuerung erhält dabei einen festen Parameter, damit sich das Gerät an jede Geräuschumgebung anpassen kann.
Die Feineinstellung erfolgt beim Folgetermin, wobei Sie berichten, welche Situationen unangenehm waren. Wir passen die Frequenzbereiche an, was meist nur wenige Minuten am Computer dauert.
Kassenzulassung und Kassenleistung – Kostenübernahme für Hörgeräte
Die Kassenzulassung regelt, welche Hörgeräte die gesetzliche Kasse bezahlt, wobei die Kassenleistung als Festbetrag eine Grundversorgung je nach Schweregrad der Hörminderung sicherstellt. Der HNO-Arzt stellt die Indikation und eine Verordnung aus, woraufhin die Krankenkasse einen Teil der Kosten übernimmt.
Für ein Ohr übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten, sodass Sie bei einer Versorgung beider Ohren zwei Geräte erhalten. Ebenfalls in der Kassenleistung enthalten sind Beratung und Nachsorge.
Privatversicherte haben andere Konditionen. Der Tarif bestimmt die Erstattung. Wir beraten Sie zu den genauen Zuschüssen und helfen auch beim Einreichen der Anträge.
Therapie bei Tinnitus – Wege aus dem Ohrensausen
Die Therapie bei chronischen Ohrgeräuschen umfasst medizinische Diagnostik durch den HNO-Arzt, audiologische Versorgung durch den Hörakustiker sowie eine psychologische Begleitung. Tinnitus ist heilbar, wenn eine behandelbare Ursache vorliegt, doch oft bleibt das Ohrensausen chronisch. Dann lautet das Ziel: Linderung und Gewöhnung.
Ein Maskierungsgerät erzeugt ein sanftes Rauschen, das das Ohrensausen übertönt. Das Gehirn richtet seine Aufmerksamkeit auf diesen neuen Klang – ein Effekt, der sich besonders in stillen Momenten als hilfreich erweist.
Hörgeräte mit Tinnitus-Programm kombinieren beide Ansätze, indem sie das Gehör verstärken und gleichzeitig einen Beruhigungston bieten. Die Anpassung erfolgt nach dem Audiogramm.
Beratung – der erste Schritt zum besseren Hören
Eine fundierte Beratung klärt den Grad der Hörminderung, erläutert die technischen Möglichkeiten verschiedener Hörgeräte und zeigt die Kassenleistungen auf. Ohne gute Beratung nützt das beste Gerät wenig. Wir nehmen uns Zeit für ein ausführliches Gespräch, weil wir nach Ihren Alltagssituationen fragen möchten. Hören Sie gut im Restaurant? Verstehen Sie am Telefon? Diese Antworten bestimmen die Empfehlung. Eine Beratung verpflichtet zu nichts und ist der erste Schritt zu mehr Lebensqualität.

